
Der Österlen ist ein sehr langer Wanderweg im Süden Schwedens und liegt im Gebiet Skåne – dem Skåne-Län. Geprägt ist die Landschaft hauptsächlich von Sand und Meer. Skåne liegt zwischen der Nord- und Ostsee, und grenzt an Dänemark:

Aber von Anfang an: Wir hatten ein paar Tage frei und weil das Wetter gut werden sollte, wollten wir ein Abenteuer. Schließlich lag die letzte mehrtägige Wanderung schon eine Weile zurück. Kurzerhand packten wir unsere Wanderausrüstung und fuhren gen Süden, nach Simrishamn.
Simrishamn ist eine sehr schöne, kleine Stadt an der Ostsee und hat so Einiges zu bieten. Schöne Bauten gibt es hier und die Wohnhäuser haben einen ganz speziellen Baustil. Gerade die Schilfdächer erinnern mich stark an Sylt und Norddeutschland.

Tag 1 – Simrishamn bis Skillinge
Wir starteten also aus Simrishamn – hier konnten wir unser Auto auf einem Langzeitparkplatz abstellen – und liefen in Richtung Skillinge. Der Weg war zugegeben eher langweilig.. Der erste Teil verlief an einer Landstraße entlang und man hatte eigentlich nur zwei Dinge zum ansehen: Autos und Felder.

Aber auch auf solchen Strecken kann man etwas Schönes findet, wenn man nur aufmerksam durch die Welt läuft. Und so konnte ich ein paar Bilder machen von meiner skandinavischen Lieblingsblume: Die Lupine. Lupinen wachsen in Schweden überall, ihre Blütezeit ist gewöhnlich Anfang Juni. Ich finde sie wunderschön, vor allem da sie in verschiedenen Farben zu haben ist und in Violet- und Rosatönen die Landschaft verschönert.
Nach etwa 15km waren wir auch schon in Skillinge.


Hier konnten wir in einem Restaurant das ein oder ander Bier genießen und haben direkt Freundschaft geschlossen mit unseren Sitznachbarn, einem wunderbaren Paar aus der Schweiz. Solche Begegnungen machen eine Reise besonders und ich liebe es!
Nach dem schönen Zusammensein sind wir einen Kilometer weitergezogen und haben unser Zelt aufgeschlagen. Ein richtig guter erster Tag.

Tag 2 – Skillinge bis Löderups Strandbad
Am nächsten Morgen machten wir uns auf in Richtung Löderups Strandbad, dort wollten wir unser Zelt aufschlagen und möglichst die Annehmlichkeiten des Camps nutzen. Doch schon nach ein paar hundert Metern wartet auf uns eine wunderbare Überraschung! Das Paar aus der Schweiz hatte ihren Van direkt am Österlen Wanderweg geparkt und auf uns gewartet. So konnten wir noch einmal zusammen sitzen und gemeinsam frühstücken. Was für eine nette Geste und eine super tolle Erfahrung!


Und dann, nach nur wenigen Kilometern, kamen wir raus zum Barby Strand. Der schönste Strand, den ich in Schweden je gesehen habe. Der Sand so unglaublich fein, das Wasser wunderschön blau, der Kontrast war einfach unglaublich. Ich muss sagen, am Anfang fand ich es richtig cool, dass der Wanderweg am Strand entlang geht und man Barfuß am Wasser entlang läuft. Doch nach 10km, bei denen man ständig im Sand versinkt und der Wind einem ins Gesicht bläst und die Sonne erbarmungslos aufs Haupt scheint.. da vergeht einem die Lust und man will nur noch festen Boden unter den Füßen.

Natürlich hatten wir die Gelegenheit ergriffen und waren im Wasser schwimmen. Das war vor allem sehr frisch, aber es gab uns auch ein Gefühl von Sommer.
Ich muss sagen, ich habe vor Freude fast ein Tränchen vergossen, als ich endlich den Wegweiser sehen konnte, der uns vom ewigen Sand weggeführen sollte. Dennoch ein unglaubliches Erlebnis, mehr als 10km am Strand entlang! Es kam uns unendlich lange vor und ein gratis Fußpeeling gab es auch.
Nur mit dem Wasser mussten wir sehr haushalten. Es gab auf der Strecke keine gute Möglichkeit Wasser aufzufüllen und so mussten wir bei einem Camp vorbeischauen und dort unsere Wasserblasen nachfüllen.
Zwei Dinge habe ich bei unserem Strandspaziergang definitv gelernt:
Erstens: Wasser ist absolut essentiell! Trinke viel, wenn du in heißem Wetter unterwegs bist und es kaum bis gar keinen Schatten gibt.
Zweitens: Um Himmels Willen, creme dich ein mit Sonnencreme! Wir hatten uns gefühlt alle halbe Stunde mit 50+ Creme eingecremt und trotzdem sind wir an der ein- oder anderen Stelle verbrannt. Vor allem Stefan hatte nach ein paar Stunden ganz verbrannte Hände und musste sich Handschuhe anziehen, um die Haut zu schützen.

Weg vom Strand und rein in den Wald. Endlich hatten wir Schatten und die Luft schien hier ein wenig kühler zu sein. Aber, wo Wald und Schatten, da auch Mücken en masse. Dick eingesprüht mit Anti-Mücken Spray, konnten wir auch hier weitergehen, ohne angeknabbert zu werden. Doch nach und nach verschwanden die Mücken. Woran mochte das wohl liegen?
Auflösung: Am Sand. Denn auf einmal liefen wir wieder über Sand. Der Waldboden war komplett aus Sand. Die gesamte Vegetation wächst auf Sand. Ich hatte das Gefühl, ganz Skåne ist auf Sand gewachsen.
So etwas habe ich in meinem Leben noch nie gesehen! Ein Wald wächst auf Sandboden. Unglaublich!
Trotzdem, Sand ist weich und man hat keine Stabilität. Also mussten wir uns weiter durchkämpfen, sind immer wieder mit den Füßen eingesunken und es war anstrengender für meine Beinmuskulatur, als ein ordentlicher Leg-Day.
Und endlich, nach fast 19km, waren wir angekommen am Löderups Strandbad Camp.


Kleiner Tipp: Hier kann man eine Surferschule besuchen und das Surfen an der Ostsee lernen.
Tag 3 – Löderups Strandbad bis (fast) nach Ystad

Aufwachen im Camp, eine heiße Dusche, Frühstück und Meerblick, das ist schon ein sehr guter Start in den Tag. Dazu noch ideales Wetter und richtig viel Motivation. An Tag 3 würden wir schon unser Ziel ansteuern, Ystad. Etwas über 22km sollen es werden.

Die Strecke begann natürlich damit, dass wir ganz viele Höhenmeter hoch gelaufen sind. Bei fast 30° ist das schon eine sehr schweißtreibende Sache. Auch hier: Sand. Immer weiter auf Sandboden. Keine Ahnung, wie es die Kühe hier so meistern, wahrscheinlich haben sie krassenere Beinmuskeln als so mancher Powerlifter.
Auf offenem Feld waren wir natürlich wieder der erbarmungslosen Sonne ausgeliefert. Also wieder Sonnencreme und Wasser zur Priorität machen.
Noch war ich guter Dinge, aber nach ein paar Stunden würde ich noch eine dritte Lektion lernen über das Wandern in der Hitze/im Sommer. Aber dazu kommen wir noch.
Lange hat es nicht gedauert und wir waren wieder am Strand. Diesmal aber kein schöner, weißer, sanfter Sand, sondern Steine. In allerlei Formen und Größen. Kleine Kieselsteine und manchmal auch große Brocken. Und wieder mussten wir am Wasser entlang wandern. Merke: während nasser Sand eine gewisse Stabilität unter den Füßen bietet, ist nasser Kiesel sehr rutschig und sehr unangenehm.

Auf dieser Strecke konnten wir auch ganz nah an einem der größten Probleme der Ostsee vorbeigehen: Die Ostsee ist arg von Algen befallen. Der Algenwuchs wird begünstigt durch phosphorhaltige Landwirtschaftsmittel, wodurch der Phosphor bei Regen in die See gelangt und dem Klimawandel. So mögen es Algen eher warm und der Phosphor bietet genug Nahrung zum wachsen und gedeien. Und so ist die Ostsee stark von Algen durchzogen, die wiederum den Lebenraum anderer Meeresbewohner einnehmen. Das führt langfristig dazu, dass Fische, Krabben und vielerlei anderes Getier verschwindet und die Ostsee dadurch an Biodivärsität verliert. Plus, Algend stinken ganz schön arg, wenn sie an die Oberfläche geraten.
Nach ein paar sehr schwierigen Kilometern in der prallen Sonne, den stinkenden Algen und dem nassen Kies, erreichen wir endlich Kåseberga Hamn.
Kåseberga Hamn ist ein sehr beliebtes Ziel für Tourismus. Jede Menge Reisebusse aus ganz Europa stehen hier und lassen die Reisenden den Ort erkunden. Vor allem anziehend sind die Ales Stenar. Die sind eine der größten, gut erhaltenen Schiffssetzungen in Schweden.
Dieser Ort wurde sogar in der dänischen Erfolgsserie Rita (Staffel 5, Folge 3) gezeigt. Da fährt die Lehrerin mit ihrer Klasse zu den Ales Stenar und es wird eine ganz witzige Folge.



Und nun, die dritte Lektion, die ich gelernt habe: Wenn einem die Sonne auf den Kopf knallt, für mehrere Stunden und mehrere Tager hintereinander, dann geht es einem nicht besonders gut. Dagegen hilft: Schutz suchen im Schatten und den Kreislauf wieder auf Vordermann bringen und ein Hut, um die Birne zu schützen. Also habe ich mir in Kåseberga einen Hut gekauft, den ich vortan auch nicht mehr abgenommen hatte – für den Rest der Wanderung.

Nach einem leckeren Lunch in Kåseberga – im Schatten sitzend – und einer Erfrischung, konnte es auch schon weitergehen. Vorbei an den faszinierenden Ales Stenar, führt der Wanderweg am Wasser entlang, nur eben mehrere dutzend Höhenmeter weiter oben. Von hier aus hat man einen wundervollen Blick über die See und auch Wildtiere kann man hier beaobachten. Zum Beispiel waren wir staunende Zeugen davon, wie ein Adlerpärchen auf Jagd ging (flog?). Außerdem waren hier sehr viele Gleitschirmenthusiasten am Start, die nur ganz knapp an uns vorbeiflogen.

Außerdem jede Menge Schafe und Kühe, die friedlich auf den Feldern grasten. What a life, grasen in aller Ruhe mit dem besten Meeresblick an der ganzen Küste. Manchmal kann man so eine Kuh auch beneiden.


Dieser Wanderweg zog sich schon sehr lange. Immer wieder liefen wir hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter. Das ermüdet schon sehr. Immer wieder machten wir also kurze Päuschen, um den Rucksack abzulegen und den Ausblick zu genießen. Und dann, als letzte Strecke, bevor es endgültig bergab ging, mussten wir direkt am Abgrund entlang:

Nach diesem Highlight ging es den Berg hinab zur Straße. Der letzte Abschnitt sollte uns wieder – wie an Tag 1 – entlang der Bundesstraße führen. Außerdem mussten wir ein paar hundert Meter direkt auf der befahrenen Straße laufen, wohl gemerkt, dass das der offizielle Wanderweg ist. Etwa 5km vor Ystad, unserem eigentlichen Ziel, haben wir dann den Bus zurück nach Simrishamn genommen und sind wieder zu unserem Auto zurückgekehrt.

Ystad wollen wir uns ein anderes Mal genauer ansehen und von dort aus den Österlen fortführen. Schließlich haben wir nur die ersten 50km geschafft.
Als kleinen Bonus waren wir noch in Kivik und haben den Stenshuvud Nationalpark besucht. Das war sehr cool aber man war leider auch tausenden Mücken ausgesetzt.
Ich hoffe, wir konnten euch inspirieren raus zu gehen und Abenteuer zu erleben.
Ganz viel Liebe, Irina und Stefan
Unsere Ausrüstung
Irinas Rucksack ist von Osprey und fasst 46l
Stefans Rucksack ist ebenfalls von Osprey und fasst 48l
Unsere Wandersocken sind von Falke und ein absolutes MUST HAVE
Irina und Stefan haben die Wasserblase von Osprey, sie fasst 3l
Wir hatten Trockennahrung dabei von Real Turmat, empfehlen wir sehr!
Irina wanderte in den Allbirds Trail runners. Sie waren für das Terrain absolut perfekt.
Wir hatten zusätzlich noch festes Shampoo und festes Duschgel dabei, dass in einem See verwendet werden kann und nicht der Umwelt schadet. Damit haben wir uns in der Ostsee und der Campingdusche gewaschen.

