Alpstein – Der Königsweg in der Schweiz – Teil I

Alpstein, Schweiz

Einleitung

Wir hatten unglaublich viel Spaß auf unserer Wanderung in Jämtland. 3 Tage wandern, kein Stress und völlige Erholung der Seele, 46km laufen und zelten, das war wundervoll. Also haben wir danach eine neue Herausforderung gesucht – etwas Krasses, Langes und Anspruchsvolles. Und wir stolperten über den Königsweg in der Schweiz, im Alpsteingebirge. Insgesamt 84km, 5.166 Höhenmeter, 3 Bergketten. Und als wäre das noch nicht genug, wollten wir im Zelt schlafen – denn ehrlich gesagt sind Räume in den zahlreich vorhandenen Berggasthäusern extrem teuer. Also wirklich extrem. Aber es ist nunmal die Schweiz..

Wir sind hauptsächlich dieser Seite gefolgt: Königstour im Alpstein

Vorneweg, die Seite gibt schon viel Auskunft über den Weg und die Wanderung an sich. Es fehlen aber, nach unserer Auffassung, viele weitere Angaben. Beispielsweise der Fakt, dass man absolut nirgends trinkbares Wasser findet. Man kann nur netterweise in den Gasthäusern nach Wasser fragen – das erschwert die Wanderung ungemein. Außerdem gibt es keinen Hinweis darauf, dass zelten wirklich schwer bis unmöglich ist – aber dazu später mehr. Auch gab es keine gute Karte von dem ganzen Weg und wir haben uns von einem Gasthaus zum nächsten gehangelt. Die Karte, die wir gefunden haben, ist diese hier.

Ich teile diese Reise in zwei Teile, denn für einen Eintrag ist es zu viel Material. Hier kommt ihr zu Teil II.

Teil I – Tag 1 bis 3

Tag 1 – von Weissbad zum Gasthaus Eggli

Am ersten Tag unserer Wanderung sind wir mit dem Auto nach Weissbad in der Schweiz gefahren. Tatsächlich gibt es in diesem kleinen Ort alles, was man so braucht. Einkaufsmöglichkeit, falls man doch den einen oder anderen Snack vergessen hat, eine Bank und am wichtigsten: jede Menge gratis Parkplätze, um das Auto mehrere Tage stehen zu lassen.

Um ehrlich zu sein, der erste Tag war wirklich nicht der Rede wert. Am ersten Tag schickt uns die Karte von einem Dorf – Weissbad – ins nächste Dorf – Rüte – und dann über private Acker und vorbei an riesigen Höfen. Man läuft sehr viel querfeldein über Wiesen und Hänge und endet dann am Gasthaus Eggli.

Eggli ist ein hübsches altes Gasthaus mit sehr netter Bedienung und gutem (teurem!) Bier. Obwohl rund um das Eggli viel Wiese und Weide ist und auch relativ flache Stellen auffindbar sind, durften wir hier unser Zelt nicht aufstellen. Die Bedienung war jedoch sehr hilfreich und hat uns auf einen Campingplatz „Eischen“ verwiesen. Der Campingplatz Eischen liegt auf einem anderen Gebirge und wir mussten uns ein Taxi (Tesla!) nehmen. Das hat uns umgerechnet 63€ gekostet. Das Zelten auf dem Campingplatz Eischen, inklusive Dusche und Toilette, kostete uns nochmals etwa 50€. Ein wenig frustriert wollten wir am nächsten Tag wieder früh aufbrechen, mussten aber irgendwie wieder zurück ans Gasthaus Eggli kommen, um den Weg fortzusetzen. Wir waren nicht bereit, nochmals so viel Geld für ein Taxi zu bezahlen und haben stattdessen den Post- und Bürgertransport genommen, für umgerechnet 12€. Leider fuhr der erste Bürgertransport aber erst um 11:45 und wir waren deshalb erst auf 12:00 wieder beim Gasthaus Eggli. So viel zu unserem Plan „früh“ unterwegs zu sein.

Tag 2 – vom Gasthaus Eggli über Hoher Kasten und Staubern bis Gasthaus Plattenbödeli

Eggli, Alpstein, Schweiz

Der Weg von Eggli zum Hohen Kasten ist recht gut begehbar. Die Wege führen vorbei an Höfen und Farmen durch Wälder hindurch und über Wiesen und Weiden immer weiter bergauf, bergauf, bergauf.

Blick auf Eggli, Appenzell, Schweiz

Wir hatten am zweiten Tag ausgezeichnetes Wetter und das hat natürlich die Motivation befeuert. Dennoch muss ich anmerken, wir hatten zu viel Gepäck dabei und das viele Gewicht auf den Schultern war ziemlich herausfordernd. Diesmal hatte ich meinen Rucksack gepackt mit etwa 10kg, Stefans war etwa 12kg. Wir haben das zusätzliche Gewicht mit jedem Schritt gemerkt!

Hoher Kasten, Appenzell, Schweiz

Das Wasser mussten wir uns auch sehr einteilen, denn es gibt zwar unzählige kleine Brunnen auf dem Weg, diese sind allerdings für die freilaufenden Kühe gedacht – die sind einfach überall – und deutlich ausgezeichnet mit dem Warnhinweis, dass das Wasser für Menschen nicht trinkbar ist.

Hoher Kasten, Appenzell, Schweiz

Wegen des Gewichts unserer Rucksäcke, haben wir für die Strecke deutlich länger gebraucht, als ursprünglich errechnet.

Aber wenn man mit viel Gepäck unterwegs ist und langsam den Berg erklimmt, lernt man recht schnell Leute kennen, die den Weg mit einem teilen. So hatten wir nette Gespräche mit den lokalen Schweizern, mit Touristen aus Deutschland und einer Gruppe älterer Wanderer, die auch mit aller Müh versuchten den Hohen Kasten zu erklimmen.

Kleiner Disclaimer, es gibt am Hohen Kasten kein frei verfügbares Trinkwasser! Wir haben uns eine Flasche abgefüllten Wassers gegönnt (ca. 12€) und damit unsere Wasserblasen je zur Hälfte gefüllt.

Der Aufstieg zum Hohen Kasten war sehr anstrengend. Auf dem Schild stand zwar, dass es etwa 15 Minuten dauern würde, in der Realität haben wir über eine Stunde gebraucht. Zum Einen, weil unser Gepäck so schwer war und zum Anderen, weil es in der Mittagssonne sehr heiß und ermüdend war, den Berg dort zu erklimmen.

Berghang Hoher Kasten, Schweiz

Nach einer kurzen Pause und einem Wahnsinns-Ausblick, sind wir weiter. Runter vom Hohen Kasten und den Gebirgspfad „Appenzell Innerrhoden“ zum Gasthaus Staubern. Hier sind wir das erste Mal an einem Berghang gelaufen und bekamen einen Vorgeschmack auf all die Wege, die noch vor uns liegen würden.

Hoher Kasten, Appenzell, Schweiz

Ich muss schon zugeben, der Ausblick und die Gebirgsketten sind schon wahnsinnig toll. Ab hier begann unsere Bergwanderung mit wirklich epischen Aussichten.

Wir hatten angerufen im Gasthaus Plattenbödeli und gefragt, ob man am Sämtisersee auch zelten darf. Das hatte uns der Gastwirt bejaht und wir hatten endlich Hoffnung, dass ab jetzt alles super werden würde.

Doch..

Sämtisersee, Alpstein, Schweiz
Staubern, Appenzell, Schweiz

…Erstens kommt alles anders, und Zweitens, als man denkt.

Der Weg vom Hohen Kasten zum Gasthaus Staubern erwies sich als wunderschön, sehr schwer begehbar und unglaublich weit. Wieder ging es mehrere hundert Höhenmeter bergauf. Und kaum hatten wir das Gasthaus Staubern erreicht, mussten wir auch schon wieder den Weg nach unten einschlagen, runter vom Berg, Richtung Sämtisersee. Wir konnten uns keine Pausen mehr leisten, denn die Sonne würde sehr bald untergehen und so rasten wir in hohem Tempo den Pfad hinunter. Was wirklich gefährlich war, denn der Weg ist komplett unbefestigt und alle Steine sind wackelig.

Über flache Stellen sind wir schier gesprintet, denn die Sonne war fast schon ganz weg. In dem kleinen Waldabschnitt mussten wir unsere Handys zücken und mit dem Licht der Kamera unseren Weg leuchten. Im letzten Abschnitt mussten wir durch eine Kuhherde, die nicht besonders von uns angetan war, im Dunkeln, zwei irrende Wanderer mit Handylicht. So also standen diese riesigen Tiere mitten auf dem Weg und zeigten uns ihre enormen Hörner. Aus Angst, angegriffen zu werden, weil sich die Tiere bedroht fühlen könnten, sind wir also querfeldein und rannten an der Herde vorbei. Als wir dann schließlich irgendwann in völliger Dunkelheit bei dem Gasthaus Plattenbödeli ankamen, waren wir komplett erschöpft, hungrig, schweißgebadet und völlig am Ende. Schließlich hatten wir gerade 27km Wanderung hinter uns über Stock und Stein und etliche Höhenmeter, im Dunkeln und ohne Wasser.

Tag 3 – vom Gasthaus Plattenbödeli über Weißbad zum Seealpsee

Säntis Gebirge am Seealpsee, Alpstein, Schweiz

Nichts im Leben hat sich je so gut angefühlt, wie die Dusche in unserem Zimmer, das wir im Plattenbödeli gemietet hatten. Weil wir so fertig waren und es bereits dunkel war, haben wir unser Zelt doch nicht aufgestellt am See. Stattdessen haben wir uns ein Bier gegönnt und ein Zimmer gemietet. Es war zwar unglaublich teuer (etwa 130€ pro Person), aber die Dusche hat sich mehr als gelohnt. Und auch ein richtiges Bett hilft sehr, um die Energie zurück zu bekommen. Plattenbödeli befindet sich hier:

Unser Plan besagte, dass wir von Plattenbödeli zurück zum Auto in Weißbad gehen würden, um dort unsere Rucksäcke neu zu packen. Und ehrlich gesagt, das hatten wir dringend nötig. Wir hatten viel zu viel Essen dabei, denn wir haben uns so eingependelt, dass wir nicht zu Mittag aßen. Es war immer ein gutes, nahrhaftes Frühstück, jede Menge Snacks über den Tag und schließlich ein ordentliches Abendessen. Und deshalb hatten wir doppelt so viel Essen dabei, als wir wirklich gebraucht hatten.

Seealpsee, Alpstein, Schweiz

Neu gepackt und satt (wir haben uns in Weißbad eine Pizza gegönnt) haben wir uns auf den Weg gemacht zum Seealpsee. Der Aufstieg war zwar betoniert, aber unglaublich steil. Ich kann mir nicht vorstellen, welches Auto das schaffen würde. Unsere Waden waren irgendwann so richtig sauer auf uns (im wahrsten Sinne..). Erstaunlicherweise sind recht viele Menschen diesen Weg aufgestiegen. Der Seealpsee ist ein beliebter Ausflugsort und im klaren See kann man wunderbar baden.

Seealpsee, Alpstein, Schweiz
Säntis, Seealpsee, Alpstein, Schweiz

In der Hütte, die man im oberen Bild sind, lebt ein altes Ehepaar, die ihr Leben lang Kuhbauern gewesen sind. Ihre Kinder und Enkel leben schon sehr lange unten im Tal, wo doch vieles besser zugänglich ist. Dieses alte Ehepaar jedoch bleibt in den Bergen, ohne Auto, dafür mit sehr viel Land und sehr vielen Kühen. Hier konnten wir für eine Gebühr von 10€ pro Person unser Zelt aufschlagen. Wir mussten nur aufpassen nicht gerade dort das Zelt aufzubauen, wo Kuhfladen lagen (was nahezu überall der Fall war). Toilette und Dusche wurde uns nicht geboten, lediglich ein Plumsklo ohne Tür. Gewaschen haben wir uns deshalb im See und die Toilette benutzt haben wir im Restaurant, das am Seealpsee steht. Kleiner Hinweis: für die meisten Restaurantbesitzer ist es in Ordnung, wenn man ihre Toiletten zum Zähneputzen und Waschen benutzt, sofern man nett gefragt hat und evtl. etwas konsumiert.

Am Seealpsee hatten wir womöglich die beste Übernachtung im Zelt auf unserer ganzen Reise. Denn es war recht warm, draußen war alles unglaublich still – abgesehen von den niemals endenden Klängen der Kuhglocken – und der Himmel war diese Nacht komplett klar. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Sterne gesehen und das war so zu tief beeindruckend, dass mir nach weinen zu Mute war.

Hier kommt ihr zu Teil II

Unsere Ausrüstung

Irinas Rucksack ist von Osprey und fasst 46l

Stefans Rucksack ist ebenfalls von Osprey und fasst 48l

Unsere Wandersocken sind von Falke und ein absolutes MUST HAVE

Irina hat eine Wasserblase von Osprey, sie fasst 3l

Wir hatten Trockennahrung dabei von Real Turmat, empfehlen wir sehr!

Stefans Wanderschuhe sind alpine Wanderschuhe von Meindl

Irinas Wanderschuhe sind alpine Wanderschuhe von Lowa

Außerdem hatten wir jede Menge Snacks dabei, Wind- und Wasserfeste Jacken, Wanderstöcke, unser Zelt, Schlafsäcke, Luftmatratzen und Luftkissen von Friluft, Schwimmsachen und lange Hosen, kurze Hosen und je einen Pullover.

Wir hatten zusätzlich noch festes Shampoo und festes Duschgel dabei, dass in einem See verwendet werden kann und nicht der Umwelt schadet. Damit haben wir uns in den umliegenden Seen gewaschen.