
Mein Geburtstag stand vor der Tür. Mein erster Geburtstag seit dem Umzug nach Schweden. Und ehrlich gesagt fühlte ich mich einfach nur erschöpft. So Vieles ist dieses Jahr passiert, inklusive Umzug nach Schweden, neuer Arbeit, neuer Sprache und neuem Umfeld. Mir war nicht nach Feiern zu Mute, ich wollte lieber entspannen. Und Stefan hat seinen Auftrag verstanden.
Also sind wir über das Wochenende nach Vadstena, das liegt hier:

Vadstena liegt etwa zweieinhalb Autostunden von uns entfernt und so machten wir uns am Samstagvormittag auf den Weg. Allein die Fahrt nach Vadstena war schon wunderschön, denn wir sind durch ein sehr großes Naturreservatsgebiet gefahren, das durchzogen ist von vielen kleinen Seen mit klitzekleinen Inselchen. Die Sonnenstrahlen haben so magisch auf dem gekräuselten Wasser geglitzert. Es ist einfach so schön in Schweden unterwegs zu sein.
Speziell die Region um Tivedens ist unglaublich! Dort sind wir im Winter gewandert und waren total begeistert von der Schönheit in diesem Nationalpark. Darüber werde ich noch berichten.
Bevor wir in Vadstena ankamen, machten wir noch einen kleinen Abstecher beim Ladugård 206, einem Bauernhof, wo man jede Menge verschiedensten Käse kaufen kann. Es hat außerdem ein kleines Café und eine Ecke für Kaffee und Leckereien, die man sich gönnen kann. Und das taten wir auch. Wir kauften drei verschiedene Sorten Käse und etwas Marmelade, um später einen Abendsnack genießen zu können.
Denn der Plan war folgend: Wir würden übernachten im Klosterhotel in Vadstena. Dazu würde es um 17:30 ein Abendessen geben und danach haben wir uns einen Besuch im Kloster-Spa gebucht. Entspannung pur! Und um nach dem Spa den kleinen Hunger zu stillen, hatten wir jetzt Käse, Marmelade, Baguette und Schokolade. Also genau das Richtige für eine Geburtstagsfeier.


Ein Klosterhotel und ein Kloster-Spa? Richtig, denn…
Vadstena hat nicht nur das älteste Rathaus Schwedens (siehe Bild oben), es ist auch zutiefst religiös. Viele Ruinen des alten Klosters und zugehöriger Gebäude lassen sich überall in der Altstadt Vadstenas finden.

Vadstena entstand im Zusammenhang mit der Gründung des Birgittinenklosters im 14. Jahrhundert und bekam im Jahr 1400 von Königin Margareta das Stadtrecht. Das Kloster, das sich im folgenden Jahrhundert zum geistlichen Zentrum und aufgrund von Schenkungen zum größten Grundbesitzer Schwedens entwickelte, förderte die Entwicklung der Stadt. Darüber hinaus wurde Vadstena zu einem wichtigen politischen Treffpunkt. Nach der Reformation nahm die Bedeutung des Klosters, das schließlich 1595 geschlossen wurde, ab, aber gleichzeitig wurde in Vadstena eine der Reichsburgen Gustav Wasas errichtet. Vadstena war danach Residenzstadt des Wasa-Sohnes Herzog Magnus, doch nach seinem Tod begann das Bevölkerungswachstum der Stadt zu stagnieren: Im ausgehenden 18. Jahrhundert lag die Bevölkerungszahl bei 1.400 Einwohnern. (Quelle)

Das Kloster beherbergte hauptsächlich Nonnen, aber auch eine kleine Anzahl Mönche. Die Nonnenklöster waren von den Mönchskammern getrennt durch eine Mauer. Die Mauer wurde mit zwei Durchreichen gebaut, die dazu genutzt wurden um Bücher und Bier zu tauschen. Denn sowohl die Nonnen als auch die Mönche waren bewandelt in der Braukunst und tranken pro Person pro Tag etwa 2,5 Liter Bier.


Jetzt dient das Kloster mit all den Nebenklöstern, die weit in die Stadt verstreut sind, als Hotel und beherbergt Gäste aus ganz Schweden. Die Hotelzimmer sind original so eingerichtet, wie die Nonnen damals gelebt hatten. Vielleicht mit einem besseren Bett und modernem Bad. Allein das ist schon sehr spannend. Es trägt außerdem die Auszeichnung des „Historic Hotels of Europe“.
Ich war komplett von den Socken. Wunderschön verzierte Gänge und Zimmer. Große Kammern zum Speisen. Aufenthaltsräume, die aussahen, als wären sie aus dem 15. Jahrhundert gefallen. Einfach unglaublich!
Und nach einem sehr leckeren Abendessen ging es endlich auch zum Spa.
Wegen Corona wurde die Besucherzahl im Spa sehr niedrig gehalten. Was umso entspannter ist, meiner Ansicht nach. Das Spa hat eine Saune, mehrere Becken mit verschiedenen Temparaturen und Mineralien, sowie ein Fußbad, ein Außenwhirlpool und einen Entspannungsraum.
Es war einfach ein Traum! Alles war sauber, man konnte sich Wasser, Tee oder selbstgemachte Johannisbeerlimonade nehmen. Oder auch ein Glas Sekt bestellen (was ich bei den Alkoholpreisen in Schweden nicht raten würde). Der Ruheraum war das Beste an dem Spa, meiner Ansicht nach. Ein sehr schlicht dekorierter Raum mit bequemen Liegen, die um einen Kamin gestellt sind. Mit je einem Beistelltisch, um das Getränk seiner Wahl abzustellen, sowie weichen, weißen Decken versehen. Leiser Mönchschor sorgt für die entspannende Stimmung.


Ich war so entspannt, wie das ganze Jahr nicht. Ich bin sogar für ein paar Minuten im Ruheraum eingeschlafen, es war herrlich!
Alles in Allem ein wunderbares Geburtstagsfest.
Am nächsten Tag checkten wir nach dem Frühstück aus. Das Frühstück wurde serviert im großen Ballsaal des Klosters, wo früher Könige und Reichsherren empfangen wurden. Es war reichhaltig und lecker und satt und glücklich sind wir durch die Stadt gezogen, um uns ein Bild zu machen.
In Vadstena gibt es ein sehr großes Schloss und ein Zugmuseum. Weil wir nicht zu lange bleiben wollten, haben wir uns für die Besichtigung des Schlosses entschieden.
Und wir wurden nicht enttäuscht. Viele Räume und große Teile des Schlosses waren für Besucher offen und wir konnten alles auf eigene Faust erkunden.
Insgesamt waren wir zweieinhalb Stunden im Schloss unterwegs. Es war ein riesiges Labyrinth mit vielen verzweigten Gängen, die uns vom Keller bis in die fünfte Etage führten, vom Kanonenlager bis zum Hochzeitssaal, von der Speisekammer bis zu den Schlafzimmern. Mit Schildern versehen, die das Geschehen erklärten, welche Könige dort geweilt hatten und wer seine Hochzeiten gefeiert hatte. Eine spannende Reise zurück in die Geschichte Schwedens.




Das Eisenbahnmuseum haben wir uns nur von Außen angesehen, denn es wurde spät und wir wollten nach Hause fahren. Aber wir werden definitiv zurückkommen und uns die Stadt ansehen. Vielleicht sogar im Glanz der Weihnachtslichter, denn im Schloss in Vadstena findet jährlich ein Weihnachtsmarkt mit Kostümierung statt. Das ist einen Besuch wert!
Ganz viel Liebe, Irina und Stefan.
