Amalia Eriksson und ihre Polkagrisar



Gränna ist eine kleine Gemeinde, die in der Nähe von Jönköping liegt. Direkt am wunderschönen (und zweitgrößten) See Vättern.
Bekannt ist diese Gemeinde vor allem durch zwei Dinge: Ein paar Szenen aus dem Pippi Langstrumpf Film wurden hier gedreht und der Süßigkeit Polkagris. Erfunden wurde diese Süßigkeit von Amalia Eriksson, die 1859 eine Genehmigung erhielt, eine Bäckerei zu öffnen und dort nebenbei Polkagris herstellte. Der Tanz Polka war zu der Zeit gerade sehr berühmt, was die Namensherleitung erklärt. Gris hingegen ist schwedisch für „Schwein“ und ein bisschen fühlt man sich auch so, wenn man sich durch hunderte von Sorten probiert hat.
Ursprünglich war der Geschmack recht einfach gehalten, nämlich Minze. Heutzutage ist Gränna das Mecka der Polkagrisar und bietet nicht nur sehr schnuckelig aussehende Handelstätten an, sondern auch hunderte von innovativen Sorten. Darunter finden sich beispielsweise die Geschmacksrichtungen Flieder, Erdbeere, Himbeere, Blaubeere, aber auch Whiskey, Chilli, Kaffee und Pina Colada. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Weitere, eher undefinierte Geschmacksrichtungen sind zum Beispiel auch „Dynamit“ oder „Pippi Langstrumpf“.


Auch heute noch werden diese süßen Stangen oder Bonbons nicht maschinell hergestellt. Denn sonst wären sie keine Originale aus Gränna. Der Beruf des Polkagrisar-Meisters ist hier noch immer hoch angesehen und die Menschen lernen, wie man die Polkastangen nach den Vorgaben von 1859 herstellt. In vielen der Handelstätten kann man den Meistern hinter einer Glaswand dabei zusehen, wie sie die Zuckerstangen rollen. Ein ganz spannendes Erlebnis!

Natürlich haben wir in jedem Laden ein wenig Polkagrisar gekauft, denn jeder dieser kleinen Handwerksläden hat seine eigene spezielle Sorte. Und es macht einfach ganz viel Spaß, die wilden Geschmacksrichtungen zu probieren.
Salomon August Andrée und die Ballonfahrt
Abgesehen von den köstlichen Polkagrisar ist die Stadt Gränna auch noch bekannt als die Geburtsstätte von Salomon August Andrée. Er ist ein Ballonfahrer gewesen und wollte zum Nordpol fliegen. Das war Ende des 19. Jahrhunderts der Geist der Zeit und so wollten immer mehr Menschen die Ballonfahrt wagen. Je waghalsiger, desto interessanter schien die Reise damals.

Salomon August Andrées Expedition mit einem Gasballon zum Nordpol startete am 11. Juli 1897 und endete im Oktober desselben Jahres mit dem Tod der drei Teilnehmer: Salomon August Andrée, dem Ingenieur Knut Frænkel und dem Fotografen Nils Strindberg. Das Schicksal der Männer blieb 33 Jahre lang ein Rätsel, bis 1930 ihr letztes Lager entdeckt wurde.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wird oft als die heroische Zeit der Polarfahrten bezeichnet. Die unwirtlichen Zonen um Nord- und Südpol stellten eine Herausforderung für Mut und technische Errungenschaften dar. Andrées Pläne für eine Ballonreise zum Nordpol passen deshalb zum Geist seiner Zeit. Er wollte mit seinem Ballon von Svalbard aus starten und dann über das Nordpolarmeer zur Beringstraße reisen, um dort entweder in Alaska, Kanada oder Russland zu landen. Dabei wollte er den Nordpol überqueren oder so dicht wie möglich an ihm vorbeifahren. (Quelle)
Das lokale Museum, in welchem die ganze Geschichte Andrées zur Schau gestellt ist, war wegen Corona leider geschlossen.
Insgesamt ist die Stadt Gränna einfach wunderschön. Die meisten Häuser sind sehr großzügig, haben große Gärten und ausladende Eingangstüren. Es ist ein Ort, der vom Äußeren irgendwie in den 50ern stehen geblieben ist, die Häuser und Straßen sind einfach bezaubernd. Auf jeden Fall einen zweiten Besuch wert, spätestens, wenn wir keine Polkagrisar mehr Zuhause haben.
Ganz viel Liebe, Irina und Stefan

