
Meine Eltern sind endlich nach Schweden gekommen, um mich, das Land und die Natur zu sehen! Insgesamt waren sie 8 1/2 Tage hier und wir haben jede Menge Abenteuer erlebt. Und das war unsere Woche:
Freitag/Samstag – Bierfest und Bohus-Malmön

Ich habe meine Eltern am Freitag vom Flughafen in Göteborg abgeholt. Ich habe mich riesig darauf gefreut, ihre Gesichter zu sehen und habe auch das eine oder andere Tränchen weggedrückt. Schließlich hatten wir uns das letzte Mal im April gesehen und das ist schon ein paar Monate her.
Zurück in Lidköping haben wir uns dann frisch gemacht und sind zu Mellbygatans – einem Restaurant in der Stadt gegangen. Denn es war Bierfest! Hier wurde es dann feierlich und feucht-fröhlich, denn mit unseren Eintrittstickets konnten wir ganze 20 Bier pro Person genießen. (+5 Weitere, wenn man nach den 20 nicht schon genug hatte…) Was für ein herrlicher Auftackt! Zu lange wollten (und konnten) wir aber nicht bleiben, denn am nächsten Morgen stand Bohus-Malmön auf dem Plan.
Bohus-Malmön ist eine Insel an der Westküste Schwedens. Unglaublich herrliches Wasser, Marine Häuser und ausgelassene Leute. Und es liegt hier:
Ich muss sagen, Bohus-Malmön ist einer meiner absoluten Lieblingsorte an der schwedischen Westküste. Es sieht aus, wie ein Ort aus einem Märchen. Völlig surreal sind einerseits diese brutalen Felsen und andererseits die wunderschönen, weiß angestrichenen Häuschen, die hier von den meisten Schweden als Sommerresidenzen genutzt werden.
Der Strand und das Wasser war angenehm warm. Das Wasser salzig, kristallklar und voller Quallen. Und obwohl ein einheimischer Schwede uns versicherte, dass die nicht brennen, war eine Qualle anderer Meinung und hat mich am Bein spüren lassen, wer im Meer der Boss ist.
Völlig ausgelassen, sonnengeküsst und voller Energie sind wir von Bohus-Malmön runter und zum Abendessen nach Smögen gefahren.

Smögen ist bekannt für die „Smögenbryggan“ – eine sehr lange Brücke, an der Yachten aus aller Welt (aber vor allem Norwegen) anlegen. Das liegt hier:

Entlang der Brücke finden sich jede Menge Restaurants, Bars, Boutiquen und alles, was das marine Herz begehrt.
Natürlich mussten wir den einen oder anderen Shop aufsuchen, uns das eine oder andere Schmuckstück kaufen und auch zu Abend essen.
Meine Mama hat hier zum ersten Mal frische Muscheln gegessen. Wohl aber nicht zum letzten Mal! Denn alles, was man in den Restaurants in Smögen bekommt, kommt ganz frisch aus dem Meer. Viele Köstlichkeiten wurden noch am selben Tag gefangen.
Alles in allem ein wunderbarer erster Tag!
Sonntag – Wir erkunden Lidköping
Lidköping ist die Stadt, in der wir wohnen. Hauptsächlich bekannt ist sie für das Unternehmen Rörstrand und die große Keramikkultur. Hier wurden früher die besten Porzellangüter hergestellt und noch heute kann man sich hier als Keramik- und Porzellandesigner ausbilden lassen. Lidköping liegt direkt am Vänern, dem größten See Schwedens und zwar hier:








Es ist schon eine sehr gemütliche kleine Stadt und uns gefällt es hier sehr. Meine Eltern waren auch sehr angetan von diesem kleinen Ort, der so nah am Vänern liegt und so viel bietet.
Montag – Wandern im Tivedens Nationalpark
Meine Eltern wollten wandern gehen. Und um ihnen die vielfältige Natur Schwedens näher bringen zu können, habe ich mich dazu entschieden zum Tivedens Nationalpark zu gehen. Wie ihr hier lesen könnt, ist das ein toller Ort, an den wir gern immer wieder zurückkehren.
Der Nationalpark liegt hier:
Meine Eltern haben sich für die Wanderung um den See entschieden. Ganze 9,5 Kilometer! Ich bin schon sehr beeindruckt, dass sie es geschafft haben all die Höhenmeter zu klettern und ich denke sie wurden reichlich entlohnt mit einem ordentlichen Abenteuer und vielen vielen wunderbaren Aussichtspunkten.
Ich meine.. schaut euch nur mal diese knalligen Farben an!
Und auch obwohl es ein wenig hier und da geregnet hat, es war trotzdem ein sehr cooles Abenteuer. Meine Eltern haben sich zwar sehr verausgabt, aber ich denke, dass es ihnen auch sehr gefallen hat. Wir hatten auch genug Snacks und Getränke dabei und haben gefühlt 1000 Fotos geschossen. Hier eine kleine Auswahl.









Dienstag – Oslo, here we come!
Für den Dienstag wurde uns herrliches Wetter versprochen – in Oslo. Also haben wir unsere Tagesrucksäcke gepackt uns sind ins Auto gestiegen.
Auf dem Weg nach Oslo habe ich für meine Eltern eine kleine Überraschung eingeplant. Einen Besuch bei den Hälsrisningar – lag ja quasi auf dem Weg. Nämlich hier:


Bei Tanum wurden Felsritzungen entdeckt und der Öffentlichkeit aufbereitet. Zusätzlich hat das Land hier ein kleines Museum und Freilichtmuseum eröffnet, um die Geschichte Schwedens, der Einwanderer und der Wickinger zeigen zu können. Meine Eltern waren davon sehr begeistert und meine Mama hat das ein oder andere Video aufgenommen.
Hier kann man gut mit Kindern und Hunden hin, denn alles liegt hauptsächlich im Freien und ist auch barrierefrei zu erreichen. Ein richtig toller Ort und ein super cooler Zwischenstopp auf dem Weg nach Norwegen.
Und auch hier haben meine Mama und ich ein kleines Schmuckstück mitgenommen. Ein nordisches Symbol für „Erde“, geformt aus Kupfer. Ich liebe es!
Der erste Stopp, als wir Oslo erreichten, war das Norske Folkmuseum. Hier waren Stefan und ich bereits ein Mal und es war richtig toll!
Man kann hier eine alte Stadt – oder war es ein Vorort von Oslo? – besuchen und anhand alter Fotos und Geschichten der Menschen, die dort gelebt hatten, nachvollziehen, wie das Leben vor gut 100 Jahren in Skandinavien gewesen war.
Angestellte in authentischer Kleidung können einem hier was zu Essen anbieten oder eine Süßigkeit verkaufen, einen traditionellen Tanz vorführen und herzzereissende Volkslieder singen.
Aber das ist noch nicht alles, hier stehen alte Wickingerhäuser, gesammelt aus dem ganzen Land und eine über 200 Jahre alte Stabkirche.


Stabkirchen oder Mastenkirchen sind hölzerne Kirchen, die als Stabbau konstruiert wurden. Der Stabbau ist ein Tragwerk aus senkrecht stehenden Masten, den sogenannten Stäben, auf denen die gesamte Dachkonstruktion ruht. Stabkirchen kamen hauptsächlich in Skandinavien vor. Ihre Datierung erweist sich als schwierig, da viele Kirchen aufgrund ihrer anfänglich primitiven Konstruktion verloren gingen. Andere wurden durch Brände zerstört, oder sie wurden durch Steinkirchen ersetzt. In Skandinavien wurden Stabkirchen während der Übergangszeit von der heidnischen Religion zum Christentum vor allem im 12. und 13. Jahrhundert erbaut, entstanden aber auch noch im Spätmittelalter.
Ein wichtiges Kennzeichen der Stabkirchen ist – außer der Dachmastenkonstruktion – generell die Vertikalität des Kirchengebäudes: Die Holzteile stehen senkrecht, im Gegensatz zu den Blockbauten, in denen die hölzernen Teile waagerecht liegen. (Quelle)

Nachdem wir uns im Folksmuseum sattgesehen – und selbstverständlich hunderte von Bildern geschossen hatten – sind wir zum Opernhaus gefahren.
Es ist ein ziemlich zentraler Punkt in Oslo, von dem man aus gut in jede Himmelsrichtung spazieren kann und immer wieder was cooles dabei sieht. Meine Eltern konnten gar nicht richtig wahrnehmen, wie modern und stylisch dieses Eck war und dennoch kein Müll auf den Straßen lag, die Leute alle freundlich und ausgeglichen aussahen und alles einen hohen Standard ausgestrahlt hatte. Um meine Mama zu zitieren „Das hier ist für uns ein Kulturschock. Wir sind geschockt, wie viel besser dieser Ort und diese Kultur ist, als bei uns!“ – Welcome to Scandinavia!







Mittwoch – Relaxen am Strand
Am Mittwoch sind wir an den Strand. Genauer gesagt zum Svalnäs, das ist in der Nähe von Lidköping. Es war windig. Sehr sehr windig. Und obwohl das Wetter wunderschön war, kaum Wolken am Himmel und volle Sonne, war es dennoch relativ frisch.
Auch das Wasser war noch nicht so wirklich warm, schließlich sind wir hier aber auch nicht in Italien. Wenn sich der Vänern auf gute 18 oder 19 Grad erwärmt, ist das schon sehr gut. Und obwohl es meinen Eltern ein wenig zu frisch war, sind beide trotzdem sehr tapfer ins Wasser gegangen. Was soll ich sagen, sind halt harte Kerle.
Zum Abschluss gab es dann BBQ bei Stefans Eltern und das hat den Tag dann nochmal versüßt.

Donnerstag – Naktbaden in Marstrand
Stefan und ich sind große Fans von Marstrand. Auf jeden Fall einer der schönsten Orte an der schwedischen Westküste. Und das liegt hier:
Zufällig war an diesem Tag eine Veranstaltung im Gange mit einer Regatta und ein paar dutzend Segelbooten. Super viele Menschen und Essensstände und bombastisches Wetter.

Ich würde ja behaupten, dieser Tag war definitiv einer der größten Highlights für meine Eltern. Die Szenerie, die Steine, die See, die Boote, das alles ist schon unheimlich beeindruckend. Auf Marstrand kann man wunderbar spazieren, es sind etwa 5km um die gesamte Insel. Um auf die Insel zu kommen, muss man eine Fähre vom Festland nehmen. Das kostet wenig und man kauft die Karten per QR Code.
Den Spaziergang kann man mit einem Bier beginnen, denn direkt am Ausgang der Fähre finden sich viele Restaurants und Cafés. (Kleine Anmerkung, in Schweden gibt es nicht die klassischen „Bars“. Überall wo Alkohol ausgeschenkt werden darf, muss auch Essen serviert werden. Jede „Bar“ ist also im Prinzip ien Bistro. Oder Restaurant.)
Auf der Insel gibt es viel zu sehen. Die Festung, die eine riesige Fläche belegt, einen kleiner Wald mit wilden Rehen und Bäumen aus aller Welt – gesammelt und gehegt von dem ehemaligen Herrscher Marstrands – raue Felsen und Klüfte. Und vor allem: das Nakenbad.
Das Nakenbad ist ein Ort, an dem man sich nackt sonnen lassen kann und im Atlantik schwimmen. Es ist nach Geschlecht getrennt und bei den Einheimischen sehr beliebt. Speziell meine Mama war davon sehr begeistert, denn wann hat man schon die Gelegenheit nackt im Ozean zu schwimmen und sich dann von der skandinavischen Sonne trocknen zu lassen?
Ein wirklich sehr gelungener Ausflug mit vielen vielen Glückshormonen.









Freitag – Läckö Slott und Power Meet
Am letzten Tag ihres Besuches bei uns, sind wir zum Läckö Schloss. Das ist hier:

Wir haben uns Tickets für das Schloss geholt und sind dann ein paar Stunden durch alle Räume und den wunderschönen Garten gelaufen. Und zu sehen gibt es im Läckö sehr viel. Die Räume sind in einem beeindruckenden Zustand, die Schnitzereien, die man auf jedem Möbelstück findet, sind wunderschön und der Garten ist einfach unglaublich.
Hier wird sehr viel Wert auf den Garten gelegt. Nicht nur wird das hier angebaute Gemüse im hauseigenen Restaurant gekocht, auch die Blumen und Rosen werden gehegt und gepflegt. Wenn man hier spazieren geht, fühlt man sich wie in einem Sommertraum. Die Gerüche in der Luft, der warme Wind, der Vänern, der grenzenlos and das Läckö Schloss grenzt. Es ist wunderschön.




Nach dem Besuch des Schlosses sind wir wieder nach Lidköping. Rechtzeitig zum Start des Big Power Meet.
Einmal im Jahr findet hier ein großes Treffen von Oldtimern statt. Oldtimer sind in Schweden sehr beliebt und deshalb findet sich hier die höchste Dichte an Oldtimer-Besitzern. An diesem Big Power Meet fahren hunderte Oldtimer in einem abgesperrten Kreis durch die Stadt. So kann wirklich jeder jedes Fahrzeug sehen und bewundern. Ein sehr besonderes Event – speziell da es das erste Mal nach Corona stattfand.


















Das war auch für uns ein sehr cooles Erlebnis! Ich habe noch nie in meinem Leben so viele coole Oldtimer gesehen. Sehr beeindruckend!
Samstag – Rörstrand Museum und Abschied
Am letzten Tag des Besuches sind wir in das Rörstrand Museum. Es ist klein, gemütlich und wunderschön. Die Meisterwerke, kreiert aus Ton und Porzellan sind sehr bestaunenswert und es macht viel Spaß über die Geschichte der Keramikkunst zu lesen.
Der Abschied ist uns schwer gefallen. Denn es gibt in Schweden noch so viel mehr zu sehen! Die nächsten Ausflugsziele sind auch schon in Vorbereitung. Beispielsweise das Jämtlandstriangeln. Und Stockholm wartet noch auf uns! Vielleicht ja nochmal Vadstena besuchen und meinen Eltern das Kloster zeigen?
Es gibt noch jede Menge zu entdecken und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal, wenn meine Eltern nach Schweden kommen. Välkommen!!
Ganz viel Liebe! Irina und Stefan.
