
Anfang 2021 waren wir in dem Nationalpark in Tivedens. Es war, sagen wir, abenteuerlich. Wir waren im Januar unterwegs und wollten eine Challenge zu Jahresbeginn. Also haben wir uns für die 15km lange Strecke entschieden. Im Nationalpark in Tivedens gibt es verschieden lange Strecken, viele davon Familienfreundlich. Weshalb der Park allgmein auch sehr beliebt ist.
Auch in 2022 sind wir zurückgekehrt zum Park und haben diesmal eine andere Strecke gewählt. Diesmal waren es etwa 10km. Beide unsere Wanderungen im Nationalpark waren sehr spannend. Aber erstmal von vorn.
Der Nationalpark liegt hier:
Der Park ist insgesamt 1.352 Hektar groß und hat eine Gesamtstrecke von 25km markierte Wanderwege. Von denen der kürzeste Weg 1,5km ist und der Länsgte 15km. Es gibt jede Menge Grill- und Rastplätze.
In der Sommersaison arbeiten hier Freiwillige, um den Park rein zu halten und die Wanderer zu unterstützen. Eine sehr gute Informationsquelle ist die Website des Parkes. Ich empfehle auf jeden Fall die Audioinformationen anzuhören. Es gibt spannende Hintergründe und die Entstehungsgeschichte auf der Website.
Der Nationalpark sieht sehr wild aus und unbegehbar. Es wird einem dringend ans Herz gelegt, nicht von den gekennzeichneten Wegen abzuweichen.


Bevor der Park zu einem Wanderort kultiviert wurde, hatten die Menschen sehr großen Respekt davor in diesen Wald zu gehen. Die Farmer um den Wald herum hatten höchsten Bäume gefällt, um zu Heizen oder zu Bauen. Sie trauten sich aber nie zu weit hinein, denn sie hatten Angst vor wilden Tieren und übernatürlichen Wesen.
Nun können Wanderer diese wilde Natur Schwedens erkunden, sofern sie nicht selbst Angst haben vor wilden Tieren und übernatürlichen Wesen.
In dem Gebiet Schwedens, in dem der Tivedens Nationalpark liegt, sind Wildschweine zuhause, sowie Wölfe, Elche und Rehe. Aber auch kleinere Tiere, wie Dachse, Füchse und noch viele mehr. Viele dieser Tiere sind nachtaktiv, weshalb man seinen Aufenthalt gut planen sollte.
Und Planung ist hier genau das richtige Stichwort.
In 2021 hatten wir uns mit der Zeit vertan. Wir haben uns spät auf den Weg gemacht. Waren kurz vor Sonnenuntergang angekommen und nach etwa einer Stunde auf dem Wanderweg wurde es dunkel. Und mit dunkel meine ich schwarz. Absolute, totale Schwärze um uns herum. Die einzige Lichtquelle, die Sterne über uns.
Wir nahmen unsere Handys heraus, schalteten sie auf Flugmodus, stellten die Taschenlampen an und es ging weiter. Ich muss sagen, ich bin sehr davon beeindruckt, dass beide unsere Telefone es ausgehalten haben und uns stundenlang den Weg geleuchtet haben. Aber klug war es nicht. Kalt war es. Mutig leuchteten wir uns von einem markierten Baum zum nächsten.


Was sich als nicht ganz so einfach erwies. Teilweise waren die Bäume weit von einander entfernt, was bei Tageslicht gar kein Problem gewesen wäre, bei Nacht allerdings eine große Herausforderung war. Mehrere Male waren wir falsch abgebogen und hatten uns verlaufen. Folgten unseren Spuren zurück und suchten nach der nächsten Markierung.
Mit jedem Prozent weniger Batterie schlug einem das Herz höher in der Brust. Ohne die Lichter der Telefone wären wir komplett verloren.
Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie erleichtert wir waren, als wir es nach mehr als 5 Stunden zum Auto geschafft hatten.
Selbstverständlich wollten wir diesen Fehler nicht wiederholen.
Im Januar 2022 waren wir ausgerüstet. Wir hatten Essen, warme Getränke, Skiunterwäsche, Wanderstöcke, aufgeladene Handys und Stirnlampen.
Auch dieses Mal waren wir relativ spät am Park angekommen. Hatten diesmal aber fast 3 Stunden Licht, bevor die Dämmerung einsetzte. Diesmal waren wir vorbereitet, wir packten unsere Stirnlampen aus und schalteten sie ein.
Auf dieser Strecke fanden wir einen Grillplatz und ein Gerät, dass eine Audiodatei abspielt, wenn man lang genug kurbelt, um es mit Strom zu versorgen. Stefan kurbelte und kurbelte und es fing an zu sprechen. Der erste Satz, den die Frauenstimme in die Dämmerung sagte war „die lokalen Farmer hielten sich von dem Wald fern aus Angst vor wilden Tieren und übernatürlichen Wesen“.


Die Stimme erstarb und mit ihr meine Zuversicht. Innerhalb kürzester Zeit wurde es dunkel. Wie das Jahr davor konnte man absolut nichts mehr sehen. Nur die Leuchtkegeln unserer Stirnlampen wiesen uns den Weg. Auf jeden Fall besser, als Handylampen, das mit Sicherheit. Doch nun waren meine Nerven bis zum zerreissen gespannt. Jeden Augenblick erwartete ich mit meinem Lichtkegel in die Augen eines wilden Tieres zu leuchten. Oder schlimmer, eines übernatürlichen Wesens!
Mutig stiefelten wir weiter. Auch dieses Mal waren die Markierungen schwer zu finden und es machte uns Mühe auf dem Weg zu bleiben. Dazu die beissende Kälte. Und dann geschah es, meine Stirnlampe fackelte und ging aus. Die Batterie konnte der Kälte nicht für immer standhalten. Wieder musste ich mein Telefon auspacken.
Wir versuchten die richtige Richtung zu deuten und die restlichen Kilometer zu errechnen, doch allein auf dem Weg zu bleiben war schwer. Immer musste man auf die eigenen Füße schauen, dass man nicht daneben tritt und womöglich noch stürzt. Es war kaum auszumachen, wie weit man fallen würde. Der Wald lag im Dunkeln.
Und dann passierte es, wir bogen falsch ab und verfolgten die falsche Markierung. Eine gute halbe Stunde liefen wir einen anderen Wanderweg, bis wir den Fehler feststellten. Erschöpft, müde und kalt, mussten wir kehrt machen und zurückgehen. Wo war denn nur der Parkplatz? Er musste doch ganz in der Nähe sein, dachte ich, leuchtete mit meinem Telefon ins Dunkle und erwischte die Reflexion eines großen blauen Schildes mit einem großen weißen P drauf.

So abenteuerlich sich das ganze anhört, bitte macht es uns nicht nach. Nachtwanderungen sind gefährlich, speziell für Anfänger. Geht nicht einfach alleine raus in die Dunkelheit. Bereitet euch sehr gut vor. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und waren viel besser vorbereitet. Wir hätten jederzeit den Notruf wählen können, wenn etwas passiert wäre. Wir haben immer ein Erste-Hilfe-Set dabei. So cool Nachtwanderungen sein können, so gefährlich können manche Gegenden sein. Erkundigt euch vorher, ob es wilde Tiere gibt auf eurer Wanderstrecke und wie man mit ihnen umgeht, um so wenig (oder keinen) Schaden wie möglich davon zu tragen.
Insgesamt war unsere Wanderung im Tivedens sehr schön und wir kommen das nächste Mal im Sommer. Dann kann man auch Schwimmen und Grillen an ausgezeichneten Stellen des Parkes. Und das klingt auf jeden Fall sehr gut.
Ganz viel Liebe,
Irina und Stefan
Ausrüstung
Die Bilder haben wir geschossen mit unserer Canon Camera
Aber auch mit unseren Handys. Meins ist das hier. Und Stefans dieses.
Wasserflaschen haben wir diese hier. Ich LIEBE sie!

